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Fakten aus dem architektonischen Erbe Irkutsks 

Die Stadt Irkutsk verfügt wahrhaftig über ein reiches und vielfältiges architektonisches Erbe. Davon kann man sich überzeugen, wenn man einen kleinen Spaziergang durch die Straßen im Stadtzentrum macht. Dem Blick des Passanten eröffnen sich Kontraste, die die historische Umgebung ausfüllen: von baufälligen, aber doch schönen hölzernen Häuschen bis zu den Steinbauten der Vorrevolutionsperiode oder den absichtlich pathetischen Muster des sogenannten ‘Stalinempirestiles’. Das historische Zentrum der Stadt besteht zum Teil aus Steinbauten, zum Teil aus Holzbauten. Als Grenze kann man die Karl Marx – Straße bezeichnen, die bis zur Revolution Bolshchaja – Straße hieß. Damals war an ihrer Stelle eine Mauer, die das hölzerne Herz der Stadt vom großen Militärdorf abgrenzte. Bis zum Ende des 19 Jahrhunderts war Holz das Hauptmaterial für den Bau.

Die Steinbaukunst in Irkutsk entwickelte sich nach dem verheerenden Brand 1879, als die Stadt einen großen Teil der Holzhäuser, wie Museen, Kirchen und Schulen verlor. Danach entschieden das Stadtoberhaupt und die Mäzene, alle neuen Gebäude aus Stein zu bauen. Für die Errichtung der neuen Steingebäude brauchte man aber besondere Kenntnisse und Fertigkeiten. Dazu luden die Stadtbehörden für die Bauprojekte und langfristige Baukontrolle Architekten aus großen russischen Städten und sogar aus anderen Ländern nach Irkutsk ein.

Einen groβen Beitrag an der Entwicklung der Stadt haben auch deutschen Architekten geleistet. Das bekannteste Beispiel ist ein Gebäude des Irkutsker Akademischen Schauspielhauses, das in den Jahren 1894-1807 nach einem Projekt von W.A. Schreter, dem Hauptarchitekten der Direktion der Kaiserlichen Theater nach traditionellem Schema des “gestuften Theaters” aufgebaut wurde. Die architektonische Gestalt des Gebäudes ist für Theater traditionell – der von den Säulen feierlich betonte Eingang, die Kuppel, Putz auf der Fassade, die Blumentöpfe an den Ecken des Dachs. Dieses Gebäude sollte ein Aushängeschild und eine der schönsten Sehenswürdigkeiten der Stadt werden – und wurde es auch!

Unweit vom Schauspielhaus befindet sich noch ein eindrucksvolles Beispiel der Arbeit deutscher Meister in Irkutsk – der Gebäudekomplex des Irkutsker Heimatmuseums. Das Museum war in den Jahren 1893-1891 nach einem Projekt des Architekten Heinrich Rosen für die Unterbringung der ‘Ostsibirischen Abteilung der Russischen Geographischen Gesellschaft’ (OSARGG) entworfen worden. Groβe Beachtung verdient der für Irkutsk ungewöhnliche Stil des Hauptgebäudes des Museumskomplexes: Es sieht aus wie ein Schloss mit vier Türmen. Der Stil lässt sogenannte ‘pseudomauretanische’ Motive erkennen – wie die runden Zinnen mit den helmartigen Kuppeln, die charakteristischen Formen der Bögen, der dekorative Schmuck von Sims und Bogen, die Doppelfenster, die Kuppel, die bunte rot-weiße Färbung der Gebäude oder die reich modellierte und geschnitzte Fassade. Dank ihrer „östlichen Exotik“, gewannen die Stadtbewohner das Gebäude lieb und auch dieser Bau wurde eines der sehenswertesten kulturellen Attraktionen der Stadt.

Interessant ist, dass die katholische Kirche in Irkutsk, die in einer für Deutschland charakteristischen Weise (Neogotik) gebaut wurde, nicht von einem deutschen Architekten entworfen wurde. Stattdessen wurde sie von dem bekannten irkutsker Architekten Jan Tamulewitsch entworfen. Dieses Gebäude ist einzigartig, da es kein Vergleichbares in Sibirien gibt.

Unter den modernen Irkutsker Gebäuden ist noch ein weiteres Objekt bemerkenswert, dessen Architekt nicht deutscher, aber österreichischer Herkunft ist – der Architekt J. Faller. Es handelt sich um das Handelszentrums “Europark” im Stadtteil Nowo-Lenino. Dieses “Stück Dekonstruktivismus” ist eine Folge der Rekonstruktion eines alten Warenhauses, in dem Haushaltswaren verkauft wurden. Jedoch hat die radikale Umbildung der Fassade keine weitere Veränderung gebracht, da das Gebäude die Bauexpertise nicht bestand und wieder geschlossen wurde.

Quelle: Anastasia Nesterowa, Übersetzung: Christina Bolschakova , 4. Studienjahr an der Fakultät für deutsche Sprache, Irkutsker Staatliche Linguistische Universität